Wenn Frauen den Kontakt nach der Trennung zum Expartner abbrechen... 
Psychologische Beratung Online-Coaching Maria Wadenpohl

Warum es nach der Trennung sinnvoll ist, KEINEN Kontakt zum Expartner zu haben

Ein Brief in meinem Briefkasten, unfrankiert. Von ihm. Dann noch einer. Ein Gedicht, das ich morgens an meinem Auto finde – eingeklemmt hinter dem Scheibenwischer. Emails. Dann das Auftauchen vor meiner Tür. Sturmklingeln. Das Warten in meiner Straße bis ich nach Hause komme, um mir zu begegnen.

Ich weiß nicht, welcher Film bei diesen Worten in deinem Kopf entsteht. Ein romantischer? Oder eher ein Thriller? Jedenfalls war das, was ich da beschreibe, mal eine Zeit lang meine Realität. Und leider sowas von keine Romantik-Komödie! Er war mein Exfreund. Ich hatte ihn nach der Trennung gebeten, mich in Ruhe zu lassen, keinen Kontakt zu suchen. Erst freundlich. Dann immer deutlicher. Bishin zur kompletten Ignoranz, weil nichts zu helfen schien – und mir auch die Polizei dazu geraten hatte, gar nicht mehr zu reagieren. Ich hatte mir den Kontaktabbruch von Anfang an aus gutem Grund gewünscht. Diese Beziehung hatte keine gesunde Dynamik und zum Ende wurde sehr deutlich, dass wir… sagen wir mal… sehr unterschiedliche Wertvorstellung hatten. Nach all dem Drama wollte ich nichts anderes, als das Ganze abzuschließen und in Ruhe zu verarbeiten. Außerdem hatte ich schmerzlich gelernt, dass die Post-Trennungs-Kommunikation selten auch nur einen Funken Positives hat. Bereits nach meiner allerersten Trennung schrieb man(n) mir: „Pass auf dein ach so engelsgleiches Gesicht auf!“ Von friedlichem oder wohlwollendem Auseinandergehen… keine Spur. Tja, bedauerliche Einzelfälle. Oder?

Wenn sich Anspruchsdenken als Romantik tarnt

Meine Klientinnen berichten mir leider ebenfalls oft von einer sehr feindseligen Kommunikation ihrer Expartner – insbesondere dann, wenn sie diejenigen waren, die sich entschieden hatten, die Beziehung oder Ehe zu beenden. Davon, dass ein „Nein“ oder „Lass mich in Ruhe“ komplett ignoriert werden. Nicht selten kommt es zu Beleidigungen, Drohungen und diversen unerwünschten Kontaktversuchen.

Hinter diesem Verhalten, was uns Frauen in der Vergangenheit verkauft wurde als romantisierendes „Er kämpft eben um dich“ steckt in Wahrheit leider neben emotionaler Überforderung ein Besitz- und Anspruchsdenken:
„Sie darf nicht einfach gehen!“
„Sie schuldet mir noch ein Gespräch (und noch eins und noch eins)!“
„Das kann nicht ihr Ernst sein! Das kann sie nicht wirklich wollen! Das meint sie doch nicht so!“

Das Patriarchat lässt mal wieder grüßen. Wie abwegig, dass eine Frau meint, was sie sagt und man sie einfach ernst nehmen könnte?!

Dieses mustergültige männliche Denken und entsprechendes Verhalten missachtet den erklärten Willen der Frau und setzt sich darüber hinweg. Das ist nicht nur hochproblematisch, sondern oft auch bitterer Ernst. Fakten dazu: 80% der von Stalking Betroffenen sind Frauen. Die Täter sind zu 80 % männlich. Forschung und Praxis zeigen außerdem, dass Expartner die größte Gruppe unter den Stalkern bildet.*

Ungesunde Muster machen den Kontaktabbruch noch schwerer

Fatal ist: Vielen Frauen fällt es aufgrund ihrer Sozialisation ohnehin schwer, klare Grenzen zu ziehen. Sie lernen früh, dass sie rücksichtsvoll sein, die Bedürfnisse anderer immer mitdenken sowie die Harmonie in Beziehungen herstellen und halten sollen. Psychologisch kann man von einem internalisierten Verantwortungsgefühl für die Emotionen anderer sprechen. Und ich erkenne dieses Phänomen nicht nur an mir, sondern auch an meinen Klientinnen.

Wenn sie sich dann aber doch (meistens aus SEHR gutem Grund!) dazu durchringen, diese Grenze zu ziehen, den Kontakt abbrechen und der Partner ihnen einredet, sie seien kalt oder unfair, wächst bei vielen das schlechte Gewissen bis ins Unendliche. Was das Ganze ebenfalls befeuert: Viele Expartner wechseln zwischen einerseits Druck und Vorwürfen („Rede mit mir!“ / „Wie kannst du so eisig sein?“) und andererseits der Betonung der Bindung („Ich vermisse dich“ / „Ich liebe dich“).

Es mag nicht immer bewusst passieren, aber das ist emotionale Manipulation und Gaslighting (die validen Gefühle und die Wahrnehmung der anderen Person infrage stellen oder verdrehen). Denn er verschiebt damit die Perspektive: Weg von ihrem Recht auf Selbstbestimmung (und Selbstschutz), hin zu seinem Anspruch auf Zugang.

Warum Klarheit & Konsequenz so wichtig sind

Warum es umso wichtiger ist, dass Frauen in ihrer Klarheit und bei ihrer Grenze bleiben: Jeder Kontakt reaktiviert die Emotionen zum Expartner (die Bindung bleibt bestehen, die Konflikte ebenfalls), er verzögert so die Verarbeitung (für beide!), hält die Hoffnung und anstrengende inneren Schleifen aufrecht. Kein Kontakt ist also keine „Härte“, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Nervensystem überhaupt regulieren und wieder etwas Ruhe einkehren kann.

Auch lernpsychologisch wirkt das Einlassen auf noch ein letztes Gespräch, eine weitere Begegnung leider wie eine Verhaltensverstärkung, eine Bestätigung auf ihn. Du setzt eine Grenze, er insistiert, du gibst nach. Er merkt: „Aha, Dranbleiben lohnt sich!“ / „Ihre Grenze ist also wirklich verhandelbar!“ Und während du vermutlich „nur nett“ sein wolltest und dir eigentlich wünschst, er hätte schon deine erste Grenze ernst genommen, wird er es danach sehr wahrscheinlich noch weniger tun.

Ein weiterer Grund, sich nicht auf sein Drängen nach weiterem Kontakt einzulassen: Es verstärkt deine und seine Muster weiter, beide können nicht darüber hinaus wachsen. Auch ich bin schon in diese Falle getappt – aus falschem Verantwortungsgefühl ihm gegenüber. Ich glaubte tatsächlich, ich müsste einen Exfreund trösten, auffangen, ihm nochmal versichern, dass mit ihm alles in Ordnung ist… Mit anderen Worten: Ich habe versucht, SEINE Emotionen zu regulieren. Dabei wissen wir mit klarem Kopf alle, dass die Ex, die gerade gegangen ist, die denkbar schlechteste Person dafür ist, um ihn jetzt zu trösten. Es war also einfach nicht meine Aufgabe – und keine gute Idee. Ich habe mir die Chance genommen, mich aus dieser falschen emotionalen Verantwortung zu lösen (oft eine Schwierigkeit von Frauen) und auch ihn daran gehindert, zu lernen seine Emotionen selbst zu regulieren (oft eine Schwierigkeit von Männern).

Das Bewusstsein dafür wuchs bei mir mit Abstand und Zeit. Ich lernte zu erkennen, wann ich wieder die Verantwortung übernehme, die nicht meine ist und einen Schritt zurück zu treten. Und auf unerwünschte Kontaktversuche gegen meinen erklärten Willen einfach nicht mehr zu reagieren. Heute begleite ich meine Klientinnen durch diesen Prozess und unterstütze sie dabei, bei sich zu bleiben.

Ein eindringlicher Appell

Zum guten Schluss: Wenn du gerade in dieser Situation bist, also eine Frau, die weiß, dass ein Kontaktabbruch nach der Trennung richtig, aber dein schlechtes Gewissen groß ist und du dich schuldig fühlst, will ich dir unbedingt sagen: Es ist dein verdammtes Recht, in Ruhe gelassen zu werden! Du schuldest ihm MAXIMAL EINE Erklärung, keine zwei, keine fünf, keine 20! Du bist kein schlechter Mensch, nur weil du deinen Frieden oder dich schützen willst! Es ist nicht deine Aufgabe, jetzt für ihn da zu sein! Du bist weder verantwortlich für ihn, noch seine Gefühle! Es ist normal, dass du noch etwas für ihn empfindest und an ihn denkst! Aber vertrau darauf, dass deine Entscheidung richtig war! Er hat keinen Anspruch auf dich oder Kontakt zu dir! Dein eigenes Bedürfnis nach Ruhe sollte für dich unbedingt über seinem Wunsch nach Kontakt zu dir stehen! Er hat nicht das Recht, sich über deine erklärte Grenze hinwegzusetzen! Wenn er das tut, hol dir Beistand von deinem Umfeld! Ruf im Akutfall die Polizei! Falls es dich sehr belastet, lass dich psychologisch unterstützen!

Ich weiß, es ist nicht leicht, doch DU KANNST DAS!

Deine Maria

Hilfsangebote

Opfertelefon vom Weißen Ring
Beim Opfertelefon des Weißen Rings kannst du dich täglich zwischen 7 und 22 Uhr melden und beraten lassen. Bundesweit, anonym, kostenlos.
Telefonnummer: 116 006

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
Erreichbar rund um die Uhr. Für Betroffene, Angehörige, Freund*innen & Fachkräfte. Anonym und kostenfrei.
Telefonnummer: 08000 116 016

Hinweise der Polizei:
https://www.polizei-beratung.de/fileadmin/Medien/045-IB-Stalking.pdf


*Quellen für die genannten Zahlen:
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek/stalking/merkmale-und-tatsachen.html

https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/formen-der-gewalt-erkennen-80642?

https://www.malteser.de/aware/hilfreich/so-wehrst-du-dich-gegen-stalking.html?

Wer hier schreibt

Ich heiße Maria Wadenpohl und bin psychologische Beraterin für Frauen nach Trennung & Krise. In meiner Arbeite begleite ich Frauen 1:1 online dabei, sich selbst wieder zurück zu erobern! Ich helfe ihnen, wirklich bei sich anzukommen und mutige Entscheidungen zu treffen.

Ziel ist, dass sie nicht nur über ihre Trennung hinweg kommen, sondern in die eigene Kraft zurückfinden: mit klaren Bedürfnissen, tiefen Werten, echten Grenzen und einem Leben, das sich wirklich nach ihnen anfühlt.

Was noch? Ich bin Jahrgang 1981, wohne zwischen Köln und Düsseldorf, liebe Wandern und Schreiben – offensichtlich. ; )

Zurück zu dir – In 3 Stunden zu innerer Klarheit

Wenn du gerade nach einer Trennung oder Krise überfordert und durcheinander bist oder das Gefühl hast, festzustecken: In meinem 1:1-Intensiv-Workshop von einmalig 3-4 Stunden begleite ich dich online durch einen tiefgreifenden Reflektionsprozess.

Wir klären gemeinsam, wo du gerade stehst, sortieren deine Gedanken, Gefühle und inneren Konflikte. Du verstehst, warum du gerade festhängst, was dich blockiert und entwickelst nächste konkrete Handlungsschritte, um wieder zurück in deine Kraft zu kommen.

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