
Das schlimme F-Wort
Mist! Wie fange ich diesen Text bloß an? Wie schaffe ich einen lockeren und persönlichen Einstieg in ein Thema, das einfach… unbequem ist? Wie könnte es mir gelingen, dass ihr trotzdem weiterlesen wollt? Ich habe keinen Schimmer…
Diesen Text hätte ich früher nicht veröffentlicht, weil mir zwei Personen aus meiner Vergangenheit vorgeworfen haben, dass ich manchmal belehrend oder arrogant wirke. Yep, das hat gesessen und mir geraume Zeit einen inneren Maulkorb beschert. Danke dafür! Liebe Grüße gehen raus!
Weg mit dem Ding & los jetzt
Erst später verstand ich: Belehrend werden Frauen meistens dann genannt, wenn sie eine bestimmte Kompetenz bezüglich des Gesprächsinhalts haben. Wenn sie darum wissen und es ausstrahlen. Wenn sie dabei ernst sind. Wenn sie bei dem, was sie sagen, nicht die ganze Zeit nett lächeln und 100 weichmachende Konjunktive verwenden (vielleicht, eventuell, könnte…).
Doch mit den Jahren und spätestens nachdem mir meine wunderbare Business-Coachin Steffi den Satz mitgab: „Maria, du darfst auch unsympathisch sein!“ fühlte ich mich bestärkt, den Maulkorb abzulegen.
Das mache ich hiermit. Und es nützt ja nix, Leute! Es gibt keinen lockeren Einstieg. Da müssen wir jetzt durch! Es ist Zeit, das Pflaster abzureißen. Mit einem kräftigen Ruck!
Ich möchte nicht, dass Frauen Macht über Männer haben, sondern über sich selbst.
Mary Wollstonecraft
Treffer, versenkt! Diese Aussage ist so simpel – und doch geht sie mir unter die Haut. Das ist Feminismus pur. Sie will Frauen ermächtigen. Das ist, worum es geht. Es bedeutet gleichzeitig, dass Männer nicht die Macht über Frauen haben, sich keine allgemeine Deutungshoheit anmaßen und sie schon mal gar nicht zum Objekt machen dürfen, über das sie verfügen oder an dem sie Gewalt ausüben können. Sei es psychische, physische oder digitale Gewalt.
Siehste, unangenehmes Thema! Aber vom Wegschauen wurde auch noch nie was besser.
Von Fernandes und einem Model
Auf Instagram habe ich geteilt, dass mich der Fall Fernandes/ Ulmen sehr bewegt hat und ich auch auf der Demo in Köln war – als eine von 6.000 Teilnehmenden. Gänsehaut pur! Ein Gefühl von gemeinsamer Stärke. Wir sind viele. Deutschlandweit sind seit Bekanntwerden des Falls insgesamt rund 40.000 Personen in verschiedenen deutschen Städten gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gegangen. Wir haben unsere Stimme erhoben, weil wir die gesellschaftlichen Verhältnisse und die bislang mangelhafte Gesetzeslage nicht länger hinnehmen wollen. Und ich sage es ganz ehrlich: Wer das für radikal hält, der hält auch Menschenrechte und unsere Verfassung für radikal. Punkt.
Model und Pilotin Jana Heinisch bringt es in einem ihrer großartigen Instagram-Reels auf den Punkt. Einstehen für die Rechte von Frauen und marginalisierten Gruppen? Eine Selbstverständlichkeit! Text in ihrem Video: „Bist du Feministin?“ -Digga, ich bin ne Frau im Jahr 2026. Wat soll ich sonst sein? Ne Knoblauchpresse?
Eindeutige Zahlen
Jede seriöse Statistik zeigt seit Jahren ein eindeutiges Bild. Gemäß der aktuellen Dunkelfeldstudie (LeSuBiA 2026) sind bei partnerschaftlicher Gewalt zu 98 % der Fälle Männer die Täter (Betroffene: 75–80 % Frauen), bei sexualisierter Gewalt sind es 90 % Männer (Opferanteil Frauen: 85-90 %) und bei digitaler Gewalt 70 % (Betroffene: 55-60 % Frauen). Hinter jeder dieser Zahlen stehen Schicksale, Traumatisierungen, körperliche und seelische Schmerzen bis hin zu Todesopfern.
Wie Männer reagieren, Hoffnung und Wut
Angesichts dieser Zahlen finde ich wirklich widerlich, was immer noch in den Kommentarspalten von Feministinnen, Aktivistinnen oder auch einfach Frauen in der Öffentlichkeit mit Haltung abgeht. Beleidigungen, Abwehr, Unterstellen, dass sie lügt und nur Aufmerksamkeit will. Morddrohungen an Collien Fernandes, die trotzdem mit schutzsichererer Weste und unter Polizeischutz auf der Bühne einer Demo in Hamburg stand.
Fast noch mehr aber beschäftigt mich eine andere Reaktion: Ich hoffe so sehr, dass Männer irgendwann aufhören, reflexhaft defensiv zu rufen „Nicht alle Männer!“ oder „Ich nicht!“ oder lediglich mit einem empörten Abwinken reagieren, als hätte das Ganze rein gar nichts mit ihnen zu tun.
Ich hoffe, dass sie stattdessen ernsthaft anfangen Fragen zu stellen, dass sie Frauen WIRKLICH mal zuhören, sich selbst, ihre Privilegien, ihr Verhalten, ihr Denken endlich hinterfragen. Und dass sie mal – au weia! – ein Buch dazu lesen und sich weiterbilden. Natürlich nur, wenn es nicht zu viele Umstände macht!
Ja, das war ironisch. Aber ich kann manchmal nicht anders, weil es mich wütend macht und ich es wirklich absurd finde! Absurd, dass diese Dinge angesichts der unglaublichen Dimension an Tätern und Betroffenen für viele Männern immer noch zu viel verlangt sind. Einige Männer haben zum Fall Fernandes selbst Demonstrationen organisiert oder sind mitgelaufen. Manche haben erstmals gesagt, dass sich etwas ändern muss. Ein Anfang. Das macht Hoffnung. Aber es braucht mehr!
Es beginnt klein und vermeintlich harmlos
Denn es beginnt nicht mit einer großen Straftat, sondern mit einer patriarchalen Sozialisation, der wir uns alle nicht entziehen können (Frauen auch nicht) und die ein Ungleichgewicht in sämtliche Beziehungsdynamiken, Berufs- und Alltagssituationen trägt. Oft nicht laut und offensichtlich, sondern erstmal leise und eher unbemerkt. Ich höre es von meinen Klientinnen, Freundinnen und kenne es selbst.
Ach, nur so ein harmloser dummer Spruch
Hier mal ein dummer Spruch, da mal ein kleines Besitzanspruch-Denken, die übertriebene Eifersucht, der kritische Blick auf ein weibliches Outfit, ein offensives Starren auf einen weiblichen Körper, ihn kommentieren und bewerten, das stille Voraussetzen und Selbstverständlich-Nehmen von großer weiblicher Verantwortungsübernahme für Erziehung und Haushalt, eine kleine Grenzüberschreitung trotz „Nein“, ein stärkeres Zurechtweisen der Tochter als beim Sohn wenn sie mal lauter wird, Wörter wie „hysterisch“ für weibliche Wut, das übersteigerte männliche Bedürfnis nach Anerkennung, weil er „auch mal was“ im Haushalt macht, ein abwertendes oder objektifizierendes Sprechen über andere Frauen (insbesondere Ex-Freundinnen) usw. usw. usw..
Da beginnt es.
Aber schon klar… „So war es ja nicht gemeint“, „So schlimm ist es ja auch wieder nicht“ oder „Er ist doch eigentlich ein Lieber!“… Letzteres kann sogar sein. Es macht diese Verhaltensweisen und das Denken dahinter trotzdem nicht besser.
Ein schmerzhafter, aber nötiger Weg
Wahrscheinlich wäre die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema für Männer ähnlich wie mein Prozess damals während der „Black Lives Matter“-Bewegung. Ich habe damals „Exit Racism“ von Tupoka Ogette und „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ von Alice Hasters gelesen. Ich bin sehr dankbar über diese Aufklärung von Betroffenen (klare Leseempfehlung / kostenlose Werbung). Aber nein, das war kein schöner Prozess! Wirklich nicht! Es macht eben keinen Spaß, sich einzugestehen, dass man selbst Vorurteile und rassistisches Denken in sich trägt. Es ist aber die Voraussetzung, etwas zu verändern. Ein langsamer Prozess. Einer, der bleibt, ein Leben lang. Ist bei mir nicht anders.
Es beginnt mit Demut
Es beginnt mit der eigenen Haltung. Mit einer Demut vor den Erfahrungen von Betroffenen und der Erkenntnis, dass ich als weiße Frau sehr privilegiert und Teil des Problems bin. Und das bin ich. Ob ich will oder nicht. Unbequemer weise auch dann, wenn ich People of Color kenne und mag. Allein schon aufgrund meiner Sozialisation innerhalb dieses Kulturkreises, in dem ich aufgewachsen bin und bis heute lebe. Da ist Scham, natürlich! Doch dahinter kommt etwas anderes…
Verantwortung. Dafür, so nicht weiter zu machen. Wach zu bleiben. Rassistische Kommentare nicht hinzunehmen oder darüber wegzugehen, obwohl das natürlich einfacher wäre… Es ansprechen. Das Unwohlsein dabei aushalten.
Diese Haltung, dieses Bewusstsein in Hinblick auf ihre patriarchale Konditionierung sehe ich bisher leider bei sehr wenigen Männern. Selbst bei denen nicht, die ich mag (Überraschung, ich hasse Männer nicht!). Sie halten sich selbst für anders und für „einen von den Guten“.
Die häufige männliche Defensiv-Reaktion auf feministische Themen erinnert mich an diejenigen, die bei „Black Lives Matter“ erwiderten „all lives matter“ (ja, Günther*, aber gerade geht es halt mal nicht um DEINE Hautfarbe). An die, die dachten „Ich bin kein Nazi. Außerdem mag ich den Ali. Dann kann ich ja nicht gemeint sein.“ Gewissen beruhigt, Thema beendet. Wie praktisch.
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich Männer auf den Weg machen und den von mir beschriebenen Prozess durchlaufen. Dafür braucht es weiterhin uns Frauen! Denn wer bequem sitzt, bewegt sich nicht ohne Anlass. WIR müssen unbequem und laut werden, die Dinge ansprechen, uns einsetzen für andere Frauen – auch im privaten Umfeld.
Was all das mit meinem Coaching zu tun hat
Aber was hat das nun alles mit meiner Arbeit zu tun? Die Grundlage meiner Arbeit, das Fundament, auf dem alles andere steht, ist meine feministische Haltung. Ich weiß um diesen ganzen Mist. Hab mich selbst durch intensive Prozesse gekämpft und tue das heute noch. Deshalb will ich Frauen nach einer Trennung oder Krise in ein selbstbestimmtes Leben begleiten. Und das bringt uns zurück zum Zitat vom Beginn. „Ich möchte nicht, dass Frauen Macht über Männer haben, sondern über sich selbst.“ Oh Ja! Das ist vor allem deshalb so stark, weil es bei der Macht über sich selbst keinerlei Bezugnahme zu irgendwem braucht (im Gegensatz zur Macht über xxx, wo sie an etwas/jemanden gebunden ist).
Die Botschaft
Die Botschaft, die ich an jede Frau senden, am Liebsten von einer Bergspitze rausrufen will: „Du gehörst niemandem – außer dir selbst! Und GERADE DESHALB: Hör auf dich zu fragen, wie andere dich haben wollen! Frag dich stattdessen wer DU wirklich bist und sein willst. Steh auf für diese Frau in dir! Mach dich stark für sie. Niemand anders wird das für sie tun können. Und sie ist JEDE Überwindung wert!“
Wenn Frauen ehrlich hinschauen…
Ich habe eben geschrieben, was Männer tun können. Und wir Frauen sind gefragt, uns selbst zu ermächtigen! Unser Bewusstsein zu schärfen für unsere eigene patriarchalische Prägung. Ehrlich zu uns selbst sein und uns eingestehen, wo wir uns noch zurückhalten, wo wir gefällig sein wollen, wo wir schweigen, obwohl wir schreien möchten, wo wir ausweichen, wo wir andere Frauen immer noch mehr als Konkurrentinnen statt als Verbündete betrachten, wo wir zu viele Zugeständnisse machen und ob wir möglicherweise ein Leben leben, das sich nicht wie das eigene anfühlt, weil es sich an Erwartungen anderer orientiert.
In meinen Coachings gehen wir übrigens an diese blockierenden Muster ran. Erst wenn du das Bewusstsein dafür hast, entsteht innere Wahlfreiheit. Und echte Selbst-Bestimmung. Falls das interessant für dich klingt, freue ich mich, wenn du dich bei mir meldest.
Zu guter Letzt: Das F-Wort und ich
Also ja, ich bin Feministin mit Leib und Seele. Ich glaube an Gleichberechtigung (nicht Gleichheit!) und setze mich ein für den Schutz von Frauen und Minderheiten. Und ich liebe weibliche Selbstermächtigung! Wann immer eine Frau für sich einsteht, habe ich Ganzkörper-Gänsehaut.
Und an die zweifelnden Männer: Wir wollen viel lieber mit Euch kämpfen als gegen Euch. Steht auf und werdet mit uns laut! Macht die innere Arbeit, die nötig ist und sagt beim nächsten sexistischen Kneipenwitz, dass Ihr keinen Bock darauf habt! Wer Gleichberechtigung verhindern will, hat einfach nur viel Angst vor Machtverlust, Schamgefühlen und dem simplen TEILEN von Privilegien (und stellt sich übrigens gegen Artikel 3 unserer Verfassung).
Fertig.
PS: DANKE, für deine Zeit und Aufmerksamkeit, wenn du bis zum Ende gelesen hast. Das weiß ich speziell bei diesem Thema wirklich zu schätzen!
*Ich habe nichts gegen den Namen Günther, ich will damit auch niemanden persönlich beleidigen. Ich habe den Namen willkürlich und stellvertretend gewählt für einen mittelalten weißen Mann.

Wer hier schreibt
Ich heiße Maria Wadenpohl und bin psychologische Beraterin für Frauen nach Trennung & Krise. In meiner Arbeite begleite ich Frauen 1:1 online dabei, sich selbst wieder zurück zu erobern! Ich helfe ihnen, wirklich bei sich anzukommen und mutige Entscheidungen zu treffen.
Ziel ist, dass sie nicht nur über ihre Trennung hinweg kommen, sondern in die eigene Kraft zurückfinden: mit klaren Bedürfnissen, tiefen Werten, echten Grenzen und einem Leben, das sich wirklich nach ihnen anfühlt.
Was noch? Ich bin Jahrgang 1981, wohne zwischen Köln und Düsseldorf, liebe Wandern und Schreiben – offensichtlich. ; )

Zurück zu dir – In 3 Stunden zu innerer Klarheit
Wenn du gerade nach einer Trennung oder Krise überfordert und durcheinander bist oder das Gefühl hast, festzustecken: In meinem 1:1-Intensiv-Workshop von einmalig 3-4 Stunden begleite ich dich online durch einen tiefgreifenden Reflektionsprozess.
Wir klären gemeinsam, wo du gerade stehst, sortieren deine Gedanken, Gefühle und inneren Konflikte. Du verstehst, warum du gerade festhängst, was dich blockiert und entwickelst nächste konkrete Handlungsschritte, um wieder zurück in deine Kraft zu kommen.